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Offizieller Fanclub VfB Freunde Südbayern
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Abschied von der Cannstatter Kurve – ein ganz persönlicher Blick zurück von Volker
„Heimat“ war am Ende über die gesamte Länge der Kurve zu lesen. Treffender hätte man es nicht benennen können.
Foto: privat Am 1. Mai 2010 mussten wir also Abschied nehmen. Abschied von einem Bauwerk, in dem wir alle so viele schöne Fußballfeste feiern durften. Die so oft gescholtenen Ultras sorgten wieder einmal dafür, dass mit einer sensationellen Choreographie ein würdevoller Abschied zelebriert wurde. An jenem verregneten Samstagmittag im Mai – Anlass war das letzte Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 – konnten wir sie ein letztes Mal betrachten. Unsere Kurve. Für mich selbst war es, als ob ein Stück meiner eigenen Vergangenheit vor der Abrissbirne stünde.
Was am Ende bleibt, ist die Erinnerung an 35 Jahre meines Lebens als VfB-Fan. Und die schönsten Momente hatte ich in dieser Kurve.
Am
08.03.1975 ging alles los: Mein erstes Heimspiel. Vor 40.000 Zuschauern
hieß der Gegner Hamburger SV. Unsere damalige Mittelfeldachse bestand
aus unserem heutigen Chefscout Erwin Hadewicz und Ehrenratsmitglied
Hermann Ohlicher. Bei dem Hamburgern beackerte „Bananen-Manni“ Kaltz die
Außenbahn und Norbert Nigbur fungierte im Tor als Elfmeterkiller. So
auch in diesem Spiel. Der VfB verlor mit 1-2 und musste am Ende der
Saison 1974/75 in die 2. Liga absteigen
Foto: www.stadien-in-baden-wuerttemberg.de Das tat meiner
Begeisterung keinen Abbruch. Am Samstag, den 22.05.1975 gastierte zum 2.
Liga-Derby der
SSV Reutlingen
im Neckarstadion. Strömender Regen, kein Dach überm Kopf, 1.200
Zuschauer!! und 2-3 verloren. Ab da war es mein Ziel, unterm letzten
Zipfel vom Dach der Haupttribüne, der in den A-Block hineinragte (s.
Bild rechts) zu stehen, um nicht wieder patschnass nach Hause zu kommen.
Man wurde jedoch vom harten Kern im damaligen A-Block relativ derb
angemacht, wenn man da hinwollte. Nach einiger Zeit hatte ich es dennoch
geschafft und war fortan auch bei jedem Spiel dabei.
Es folgte eine triste Saison in der 2. Liga. Als bekennender VfB-Fan wurde man damals auf der Straße mitleidig belächelt und mit allerlei Spott bedacht. Doch dann kam Sundermann, der Wundermann! (hier im Bild mit Hansi Müller) Foto: www.bundesliga.de Mit einer
erfolgshungrigen, jungen Mannschaft, nahezu komplett aus der eigenen
Jugend hervorgegangen, ging es von nun an steil bergauf. In der Saison
1976/1977 wurde der Wiederaufstieg geschafft. Hansi Müller, Bernd
Förster, Karlheinz Förster, Markus Elmer, Walter Kelsch, ja sogar Dieter
Hoeneß und Ottmar Hitzfeld hießen die Helden der damaligen Zeit. „Immer
wieder VfB“ schallte es fortan in jedem Heimspiel durch das gesamte
70.000-Mann-Stadion. Die Spiele waren fast immer ausverkauft. Selbst
Haupttribüne und Gegengerade stimmten in diesen gewaltigen Chor mit ein.
Man spürte förmlich, wie der Funke, den diese junge Mannschaft auf dem
Rasen entfachte, auf die Ränge übersprang. Diese Atmosphäre war in
deutschen Stadien einmalig und sie kam in dieser Form auch in Stuttgart
nie mehr wieder. Die gegnerischen Mannschaften hatten Riesenrespekt vor
der „Hölle von Stuttgart“. Der spätere Meister 1. FC Köln wurde mit 0-3,
der Vizemeister Borussia Mönchengladbach mit 0-2 und Schalke gar mit 1-6
nach Hause geschickt. Die Gegner brachen nach einem Gegentor ob der
Gegenmacht aus entfesselt aufspielendem VfB und dessen
Es folgten erfolgreiche Jahre, in denen sich der VfB unter den Top Fünf der Liga etablieren konnte. 1984 war ich dabei, als wir erstmals seit Gründung der Bundesliga wieder die Meisterschale in den schwäbischen Himmel recken durften.
Foto: www.welt.de Schon damals nicht der Sportlichste, riss ich mir beim Versuch den Zaun zu überklettern die Hose kaputt. Mein Kumpel Schorsch hatte mehr Erfolg. Es existiert ein Poster, auf dem er mit den Meisterspielern auf Ehrenrunde ist (Gibt es leider nicht auf Foto). Ein paar Jahre später gab es dann noch diesen unvergessenen Moment. Es war ein Heimspiel gegen die Bayern. Nachfolgender Text ist www.hefleswetzkick.de entnommen: Die schönste aller
Geschichten ist fraglos die von diesem Tor, das auf allen Sportkanälen
der Welt gezeigt wurde, seinerzeit im November 1987 gegen - na wen
schon- - gegen Bayern München. Als diese weiche Traumflanke von rechts
kam, Klinsmann mit dem Rücken zum Tor abhob, während sein Gegenspieler
Hans Pflügler erst ein ehrfürchtiges Päuschen
Foto: www.chambala.de
Es gab Leute, die am Tag vor dem Kartenvorverkauf in Schlafsäcken vor dem Stadion campten. Ich hatte das nicht nötig, weil ich damals noch ne Dauerkarte hatte
Foto: www.stadiumguide.com
1992 hatten wir es zum 4. Mal geschafft, Deutscher Meister zu werden.
Fotos: www.bundesliga.de Guido Buchwald köpfte uns in der Nachspielzeit der Begegnung in Leverkusen zum 4. Deutschen Meistertitel. Christoph Daum als Trainer und Dieter Hoeneß als Manager hatten großen Anteil an diesem Triumph Am Tag danach: die große Party vor dem Neckarstadion. Foto: www.myvideo.de Es folgten Jahre mit vielen Höhen und Tiefen, in denen sich der VfB aber immerhin zu einem festen Bestandteil der Fußball-Bundesliga entwickelte.
Cannstatter Kurve in den Neunziger Jahren; Foto: www.cc97.de
A-Block in den Neunziger Jahren; Foto: www.cc97.de
Ja, wir freuten uns im Jahre 1993, endlich ein komplett überdachtes Stadion zu bekommen. Die Leichtathletik-WM machte es möglich. Trotzdem ging der Blick immer ein wenig neidisch nach Dortmund oder Kaiserslautern. Dort gab es längst reine Fußballstadien. Aber trotzdem war´s natürlich eine große Verbesserung zu früher.
Foto: www.stadionwelt.de
In den Jahren 1995 bis 1997 machte der VfB europaweit von sich reden. Nicht, weil eine ganze Reihe von Titeln gewonnen wurden, sondern weil die allgemeine Meinung bestand, die Mannschaft spiele den schönsten Fußball weit und breit. Mit der Bezeichnung „das magische Dreieck“ hatte die deutsche und internationale Presse den passenden Begriff für unser Offensivtrio Krassimir Balakov, Giovane Elber und Fredi Bobic gefunden.
Foto: www.hefleswetzkick.de
Wir heulten in der Kurve vor Freude und Erleichterung nach diesem schicksalhaften Spiel. Man sagt, bei Abstieg wären bei uns auf Grund der großen Schuldenlast die Lichter, vielleicht für immer, ausgegangen. 2001/2002 übernahm Felix Magath den VfB. Aufgrund der finanziellen Engpässe musste der VfB wie Mitte der 1970er Jahre auf die eigene Jugend setzen – Spieler wie Andreas Hinkel, Kevin Kurányi, Timo Hildebrand oder Aljaksandr Hleb bildeten ein Team, das sich hervorragend entwickelte und in den Medien den Beinamen „die jungen Wilden“ erhielt. Der VfB qualifizierte sich 2002 über den UI-Cup für den UEFA-Pokal 2002/03. Am Ende der Saison 2002/03 war die Mannschaft überraschend Vizemeister hinter Bayern München und qualifizierte sich damit erstmals für die Champions League. Es war wie damals in den späten Siebzigern. Junge Wilde, die Zweiten.
Foto: www.welt.de Foto: www.lostboys99.de
Choreographie beim Spiel gegen die Glasgow Rangers; Foto: www.lostboys99.de Im Achtelfinale war dann erneut der FC Chelsea Endstation, nachdem sich der VfB durch ein Eigentor von Fernando Meira im Hinspiel selbst um die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale brachte (0:1 zuhause, 0:0 auswärts). Im Jahr 2004 wechselte mit Magath der Architekt der Jungen Wilden als nächster dorthin, wo man seit Generationen mit Geld und noch mehr Geld die zarten Pflänzchen des Erfolges zu vernichten weiß, die im Schwabenländle und auch anderswo gedeihen. Auch ein Mittel, um langfristig den eigenen Erfolg zu sichern und sich als Retter des deutschen Fußballs profilieren zu können… Statt wenigstens die Mannschaft zusammen zu halten, machte das VfB-Management mit Alex Hleb und Kevin Kuranyi auch zwei der vielversprechendsten Talente zu Geld. Phillip Lahm, lediglich auf Leihbasis beim VfB, musste nach seinem kometenhaften Aufstieg zurück zu seinem alten Verein. Es kam dann, wie es kommen musste: der VfB wurde in seiner Entwicklung wieder zurückgeworfen, bevor der Stern dieser jungen Mannschaft so richtig zu strahlen beginnen konnte. Man fand sich in den Folgesaisons auf den Plätzen 4, 5 und 9 wieder. Dann kam die Saison
2006/2007. Mit einem vorher arbeitslosen Trainer namens Armin Veh,
überwiegend blutjungen Spielern aus der eigenen Jugend wie Khedira,
Tasci, Gomez oder Hildebrand und günstigen Neuverpflichtungen wie etwa
Hilbert oder den beiden Mexikanern Pardo und Osorio ging der VfB in die
Saison. Als man bei einem Testspiel vor der Saison in meinem Wohnort
Aichach ein Testspiel gegen die Münchener Löwen vergeigte, wurde mir von
den anwesenden Rentnern ein baldiger Abstieg in die 2. Liga prophezeit.
Ich widersprach dem heftig, weil schon da viele gute Ansätze zu sehen
waren. Aber was am Ende dieser denkwürdigen Saison passierte, hätte ich
in meinen kühnsten Träumen nicht zu wünschen gewagt.
Text aus www.hefleswetzkick.de: Selten ist eine deutsche Meisterschaft so verdient gewesen wie die der Schwaben, was auch die Sympathiewelle unterstreicht, die durch ganz Fußball-Deutschland bis nach Stuttgart schwappt. Acht Siege in Folge, die beste Rückrundenmannschaft und alleine an den letzten beiden Spieltagen nach Rückständen bewiesen die eigentlich titelunerfahrenen "Jungen Wilden lII" noch unerschütterliche Willenskraft und Moral. All das, was den lange führenden Schalkern letztlich abging.
Fotos: www.lostboys99.de
Eine Kurve in Ekstase; Foto: www.lostboys99.de
Doch der VfB wäre nicht der VfB, wenn es nicht sogleich wieder bergab gegangen wäre. Meistertrainer Veh musste Ende 2008 wegen Erfolglosigkeit wieder gehen und wurde von seinem ehemaligen Assistenztrainer Markus Babbel beerbt. Erneut sorgte eine sensationelle Aufholjagd in der Rückrunde für den Einzug in die Champions League. Doch die neue Saison hielt wieder den Absturz bereit. Schuld daran war sicher auch die Tatsache, dass der Torgarant mit Namen Mario Gomez, auf den die gesamte Offensive zugeschnitten war, den Verein verließ. Gemessen am sportlichen Absturz des VfB waren die 30 Millionen Euro, die uns vom westösterreichischen Festgeldkonto gutgeschrieben wurden, noch viel zu wenig. Auch, weil adäquater Ersatz vom VfB nicht verpflichtet wurde. In der Königsklasse hielt man sich zwar wacker und wurde erst im Achtelfinale vom FC Barcelona ausgeschaltet. In der Bundesliga jedoch ging nichts mehr zusammen. Kurz vor Ende der Vorrunde war man am Rande des Abgrunds. Die scheinbar untätig zuschauende Vereinsführung trieb einem Großteil der Fans die Zornesröte ins Gesicht. Und so kam es wie es kommen musste: Besonders die Cannstatter Kurve trieb den Widerstand voran.
Fotos: lostboys99.de Trainerneuling Babbel musste nach heftigen Protesten vor dem Spiel gegen den VfL Bochum gehen. Neuer Trainer wurde der Schweizer Christian Gross. Und in der Rückrunde der Saison wieder das fast schon gewohnte Szenario: der VfB eilte von Sieg zu Sieg und konnte sich als bestes Rückrundenteam der Liga am Ende noch sensationell für die Europa League, den Nachfolgewettbewerb des UEFA-Cup, qualifizieren.
Und nach dem Ende dieser denkwürdigen Saison musste sie dann weichen, unsere altehrwürdige Cannstatter Kurve.
Foto: www.lostboys99.de Aber frei nach Hermann Hesse: „Jedem Ende wohnt ein Anfang inne!“ So wie auf dem rechten Bild wird es am Ort, wo unsere Kurve stand, nicht mehr lange aussehen.
Spiel VfB – Molde FK, 05.08.2010; Fotos: privat
Ein Blick auf die fast fertig gestellte Untertürkheimer Kurve lässt erahnen, wie es auf der obigen Baustelle in wenigen Monaten aussehen wird.
Freuen wir uns auf die im Jahre 2011 fertig gestellte „Cannstatter Wand“, die sich der Tradition der alten Cannstatter Kurve verpflichtend, dem bedingungslosen Support für unseren VfB hingeben wird.
Bericht von Volker |