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Wer ist eigentlich dieser Cordoba?

Europameisterschaft 2008, 16.06.2008, Wien, Österreich - Deutschland 0:1

Iffeldorf Montag 16.06.2008 – 6.00Uhr

Im Schutze der Dunkelheit machten sich die Nürnberger Matze und Andi, der Cottbuser René und - als einziger Fußballexperte in diesem Kreis - ich auf den weiten Weg nach Wien, wo am spätabend das EM Spiel Österreich – Deutschland auf dem Programm stand. In Erwartung angekündigter, intensivster Grenzkontrollen wegen dem Spiel war das Auto vollgepackt mit div. Pässen, Warnwestern, Erste-Hilfe Koffern usw. Nach knapp 160km ereignisloser Fahrt erreichten wir schließlich die deutsch-österreichische Grenze kurz vor Salzburg und es war wie befürchtet – es passierte gar nichts. Keine Polizei, kein Zoll, kein CIA – nichts, gar nichts wartete auf uns. Das stundenlange Suchen nach den diversen Sachen, das gefälschte Visum oder die intensive Körperreinigung vor Fahrtbeginn – alles umsonst.  Ein wenig enttäuscht fuhren wir weiter um nach sehr guter Fahrt um ca. 11 Uhr in Wien einzutreffen.

Jeder vierte Österreicher lebt in der Hauptstadt und das merkte man auch sofort, die Stadt ist schon wirklich sehr groß und unübersichtlich, aber mir gefiel sie trotzdem sofort.

 

Als ich ca. drei Wochen vor der Fahrt mich um die Übernachtung kümmern wollte, musste ich schnell einsehen, dass ich doch etwas zu spät dran war, Wien war von diesem Montag auf Dienstag praktisch ausverkauft, das billigste Doppelzimmer in einem drei Sterne Bunker kostete sensationelle 199€. René fand dann zum Glück eine Internetseite auf der private Anbieter zur EM Zeit in den Austragungsorten Zimmer anbieten konnten. Das zweitbilligste sollte es dann werden und wir alle waren schon ein wenig gespannt, was dort auf uns warten sollte, denn die Beschreibung unserer Unterkunft war mehr als bescheiden. Nach einiger Sucherei hatten wir es dann gefunden, das renovierungsbefürftigste und älteste Gebäude in der gesamten Wiener Innenstadt (zumindestens vermute ich das). Ein Treppenhaus im Retro-Stil mit einem sensationellen Geruchsmix aus Chiemsee-Reggae Festival und feuchten Wänden lag noch zwischen uns und unserer nächtlichen Bleibe. Uns öffnete ein äußerst entspannter Student die Tür, wir gaben ihm das Geld und er uns die Schlüssel von SEINER volleingerichteten Wohnung. Nach einigem unglaublichen Kopfschütteln von uns vier, dass jemand irgendwelchen dahergelaufenen (und sicherlich bald stark angetrunkenen) deutschen Fußballfans die eigene Wohnung überlies, samt Laptop, Schlüsseln, vollem Kühlschrank und diese dann auch noch in seinem Bett und seiner Schlafcouch schliefen lies begannen wir dann doch die Stadt ein wenig unsicher zu machen. Andere Länder, andere Sitten…

 

Am Stephansplatz ausgestiegen, empfing uns bereits eine weiße Wand aus anderen deutschen Fußballfans, es waren wirklich brutalst viele Deutsche an diesem Tag da unten. In jedem Fiaker, jedem Taxi, jedem Cafe – überall. Sensationell. Nach einer kleinen Stärkung und dem Pflichtkulturbesuch (Stephansdom. Wirklich schön. Aufzug kaputt, deshalb keine Bilder von oben über die Stadt) gings die wirklich sehr sehr schöne Fußgängerzone entlang zur riesigen Public-Viewing Zone und dann zum Prater. Diesen kurz durchschlendert und weiter gings am Fancamp vorbei in Richtung Stadion. Schnell noch bei nem Supermarkt dank 1€ Leberkassemmel+sensationelles Pittinger Dosenbier – Angebot vollgetankt und dann waren wir schon am Stadion. Während ich aufgrund eines glücklichen Umstandes im Besitz einer Karte war, merken die anderen drei ziemlich schnell, dass die Schwarzmarktpreise vorm Stadion locker die Kosten für eine vernünftige Bundesliga Dauerkarte übersprangen und so trennte sich unser weg, da sie wieder Richtung Public Viewing am Prater aufbrachen und ich so ca. 19Uhr das Stadioninnere ansteuerte.

 

Ich hatte dort einen wirklich guten Platz in der zweitobersten Reihe direkt in der deutschen Kurve, die aufgrund wirklich brutal vieler deutschen Fans auch im Stadion echt eindrucksvoll aussah. Insgesamt fanden sich zu Spielbeginn 52.000 Fans im Ernst Happel Stadion ein, darunter locker 20.000

die sich über den Ausgang des Spieles freuten, was für ein österreichisches Heimspiel bei einer EM schon mehr als peinlich ist. Nach einer (im nachhinein gesehen) wirklich sehr gelungenen deutschen weiß-schwarzen Choreographie gings dann endlich los. Das Spiel hat wohl jeder gesehen, deshalb brauch ich dazu nicht viel zu schreiben. Nachdem der Mischi aus Görlitz kurz nach der Halbzeit einen Freistosshammer zum alles entscheidenden Tor versenkte, kochte der deutsche Block fast über. War die Stimmung auf beiden Seiten während der gesamten 90min wirklich EM würdig, gabs speziell nach dem Tor kein Halten mehr in unserer Kurve. Trotz des wirklich schwachen Spiels unserer Adler wurden diese nach Spielende gebührend gefeiert.

 

Nach geschätzem 7km Fußmarsch („göh, gehns da viera, da kimmt dann glei a U-Bahn Station“) und zweistündiger Fahrt mit der Bahn erreichte ich dann wieder die anderen drei am Prater um dann in der Innenstadt noch ein wenig anzustellen. Wie es sich für eine anständige Fußgängerzone gehört, gibt es natürlich auch in Wien dort nur überteuerte Schicki-Micki Läden die nicht wirklich auf eine junge deutsche Gruppe Fußballfans mit einer zweistelligen Gesamtpromillezahl warten. Nach einigem Suchen fand sich aber trotzdem ein recht netter Aussie Schuppen in dem wir den Abend ausklingen liesen.  Kurz vor der Ankunft in unsrem Luxus-Loft war uns aber noch nach einem kleinen Absacker Bierchen und so fand sich ganz in der Nähe unserer Herberge noch eine Jugo Kneipe mit dem Charme und der Inneneinrichtung eines deutschen Bunkers im ersten Weltkrieg. Nach einer kurzweiligen Lehrstunde über den jugoslawischen Fußball, wanderenden Koffern und dem kommenden Europameister Kroatien durch den Wirt war der Tag dann endlich gelaufen.

 

Nachdem wir um gefühlte 5Uhr wieder auf dem Schlaf gerissen wurden (man konnte meinen das Nachbarhaus wird abgerissen, dabei wars die Müllabfuhr) besichtigten wir nochmals kurz die Innenstadt, nahmen auf der Heimfahrt noch das Hanappi Stadion von Rapid Wien uns zu gemüte und waren dann nach 450km endlich wieder daheim angekommen.

 

Fazit: Wirklich sehr schöner Ausflug. Die Übernachtung in Kiew zur EM 2012 ist schon gebucht…

Chris